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La Società svizzera di fisica (Swiss Physical Society (SPS)) è l’ordine professionale nazionale di fisici provenienti dall’insegnamento, dalla ricerca, dallo sviluppo e dall’industria. La varietà della ricerca moderna della fisica si specchia in dieci sezioni specifiche.

Immagine: ESO

Erinnerungen an Herwig Schopper (1924 - 2025)

Die wissenschaftlichen, organisatorischen und auch politischen Leistungen von Professor Herwig Schopper wurden anlässlich seines 100. Geburtstags im Frühjahr 2024 auch von der SPG in den SPG Mitteilungen gewürdigt. In diesem kurzen Nachruf wollen wir jedoch an seine Zeit zwischen 1953 und 1958 erinnern, die Herr Schopper zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere in Erlangen verbrachte. Er kam dorthin als Oberassistent von Rudolf Fleischmann in Hamburg, der 1953 einen Ruf nach Erlangen erhielt.

Erlangen, eine traditionsbewusste Markgrafenstadt mit der im Jahre 1743 gegründeten Friedrich-Alexander-Universität, deren Hauptverwaltung sich auch heute noch im Markgrafenschloss mit zauberhafter Orangerie und Schlossgarten befindet, war auch geprägt durch die Aufnahme der aus Frankreich unter Ludwig XIV. vertriebenen Hugenotten, die liberales Denken und technisches Können vereinten. Nach dem 2. Weltkrieg siedelten sich die Siemens-Schuckert und Siemens-Reiniger Werke dort an, die neben Produktionsstätten auch ein grosses Forschungszentrum unterhielten, bei dem auf den Gebieten der Kernreaktoren, der Halbleiterphysik, der Supraleitung und der auf Röntgenstrahlung basierenden Medizintechnologien geforscht und entwickelt wurde. Sie waren in engen Kontakt zu den damaligen drei Physikinstituten für Experimentalphysik mit Fleischmann, Angewandte Physik mit Erich Mollwo und Theoretische Physik mit Helmut Volz.

In diese Idylle einer Kleinstadt mit gelebter Tradition und moderner Industrie stiess die junge Familie Schopper, der es dort ausnehmend gut gefiel, wie Herwig Schopper uns, die wir in den 60er Jahren ebenfalls bei Fleischmann Kernphysik studierten, 2015 in Wien abends anlässlich der Verleihung der SPG Ehrenmitgliedschaft mit Schmunzeln erzählte.

Feliticas Pauss und Herwig Schopper 2015
Feliticas Pauss und Herwig Schopper 2015
Feliticas Pauss und Herwig Schopper 2015Immagine: SPG
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Herwig Schopper bedankt sich für die Verleihung der SPG Ehrenmitgliedschaft an der SPG-ÖPG Jahrestagung 2015 in Wien. Die Laudatio hielt seine CERN-Kollegin Felicitas Pauss.

Der zwanglose Kontakt der Universitätsleute zur Bevölkerung, zu den Siemensangestellten und auch zum US-Militär (in Erlangen war eine US-Panzereinheit stationiert) zeigte sich dann beim gemeinsamen Besuch der berühmten Bergkirchweih, beim sommerlichen Schlossgartenfest der Universität in festlicher Kleidung und besonders beim berühmten Physikerfasching, wo, wie Herr Schopper sich erinnerte, selbst der gestrenge Prof. Fleischmann als Pirat verkleidet sich köstlich amüsierte. Dank Fleischmann hatte man schon einen Van-de-Graaff Beschleuniger, den man im zweiten Stock im Institutsgebäude neben der Bibliothek aufbaute, und mit dem man 1 MeV-Deuteriumionen auf Tritium schoss und die so erzeugten 14.1 MeV Neutronen dann soweit abbremste, dass sie in ausgewählten Targetkernen resonant absorbiert wurden. Herwig Schopper wusste, dass man wegen des recht starken Strahlungsuntergrunds das bestrahlte Target zur Auswertung schnell in einen 10 m entfernten und unkontaminierten Raum gegenüber der Bibliothek bringen musste. Aber dass dies später mittels einer von Diplomanden eigens gebauten Rohrpost geschah, die bei jedem Schuss einen Riesenknall erzeugte und die in der Bibliothek sitzenden Theoretiker aufschreckte, hat ihn sichtlich amüsiert. Und dass die ersten Rohrpostschüsse mit einer Flasche Bergkirchweihbier erfolgten…!

Noch kurz zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit: So schreibt er in seinen Memoiren 1: "Ich setzte die Arbeiten zum Betazerfall fort, die ich mit Lise Meitner in Stockholm begonnen hatte, insbesondere begann ich, mich mit Beta-Gamma-Korrelationen zu beschäftigen, und ich setzte auch die Arbeiten fort, die ich in Hamburg mit einer polarisierten Protonenstrahlquelle begonnen hatte." Während seiner Zeit in Erlangen perfektionierte er die Technik zur Messung der zirkularen Polarisation von Gammastrahlen, mit der er später als Gastwissenschaftler an der Universität Cambridge die Paritätsverletzung im Betazerfall untersuchte 2. Zusammen mit seinem Doktoranden Günther Clausnitzer und mit Fleischmann bauten sie 1956 die weltweit erste polarisierte Protonenquelle, die in den 60er Jahren fester Bestandteil des Erlanger Tandem Van-de-Graaff Beschleunigers wurde. Als wir Kernphysiker aus dem früheren Fleischmann Institut ihm 2024 zu seinem 100. Geburtstag gratulierten, schrieb er in derselben Nacht zurück: "… über Ihre Glückwünsche habe ich mich sehr gefreut. Die Zeit in der Glückstrasse in Erlangen war für mich in mancher Hinsicht wirklich glücklich und ich denke mit Freude und Wehmut an die Zeit. Herr Fleischmann war ja nicht nur ein vielseitiger Physiker, sondern auch sonst sehr gebildet. Ich denke an die vielen Abende bei ihm zu Hause, als wir zusammen musiziert haben. Auf den Dr. h. c. von Erlangen bin ich besonders stolz, denn im Gegensatz zu vielen ausländischen Ehrungen hat ein deutscher Dr. h. c. wissenschaftliches Gewicht…"

Herwig Schopper wird uns als liebenswerter Erlanger in bester Erinnerung bleiben.

Bernhard Braunecker

1 https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-031-51042-7

2 "The fall of parity", SPG Mitteilungen Nr. 41, p. 26 - 27 (2013)

[Veröffentlicht: November 2025]