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La Société suisse de physique (SSP) est l’association professionnelle nationale des physiciens et physiciennes provenant de l’enseignement, de la recherche, du développement et de l’industrie. La diversité de la recherche moderne en physique est reflétée dans dix sections spécifiques.

Image : ESO

Mitteilungen Schweizerischer Reisender. Zweites Heft: 1864. Reisen in den Orient.

Med. Dr. Alexander Schläfli

Mitteilungen Schweizerischer Reisender. Zweites Heft: 1864. Reisen in den Orient.

Verlag von J. Wurster & Comp., Winterthur, 1864

Titelblatt Schweizerischer Reisender. Zweites Heft
Titelblatt Schweizerischer Reisender. Zweites Heft
Titelblatt Schweizerischer Reisender. Zweites Heft

Auch dieses Jahr werden wieder vier Dissertationen in den Naturwissenschaften mit dem Schläfli-Preis der SCNAT ausgezeichnet, diesmal in Geowissenschaft, Physik, Biologie und Chemie. Die Preise sind nach ihrem Stifter, dem Arzt und Weltreisenden Alexander Friedrich Schläfli benannt und wurden erstmalig 1866 verliehen. Er vermachte sein gesamtes Vermögen von etwa 9600 CHF damals der Schweizerischen Gesellschaft für Naturwissenschaften (SGN, heute Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften SCNAT) unter der Bedingung, "dass die Gesellschaft [...] einen jährlichen und immerwährenden Preis über eine Frage der physikalischen Wissenschaften stiften soll". Seitdem haben bis heute 136 Preisträgerinnen und Preisträger diesen ältesten und angesehensten Wissenschaftspreis der Schweiz erhalten.

Kurz zu seiner Vita: Alexander Friedrich Schläfli wurde am 30.10.1832 in Burgdorf geboren und verstarb bereits in jungen Jahren am 5.10.1863 in Bagdad 1. Er war ein Cousin des Mathematikers Ludwig Schläfli (1814 - 1895), der sich mit Geometrie und Funktionentheorie beschäftigte 2. Auf die Einführung der Schläfli-Indizes zur Charakterisierung platonischer Körper hatten wir in den SPG Mitteilungen Nr. 69 hingewiesen. Alexander Schläfli studierte hingegen von 1851 bis 1855 Medizin in Zürich und Paris und schloss das Studium 1855 als Dr. med. an der Universität in Jena ab. Ab diesem Jahr war er im Dienst der türkischen Krone in Konstantinopel und amtete als Militärarzt bei den tunesischen Truppen. Schläfli war ein Sprachengenie und beherrschte unter anderem anscheinend auch Arabisch, Türkisch, Armenisch, Persisch, und zudem vermutlich auch diverse kurdische Dialekte. Er unternahm ausgedehnte Forschungsreisen in den Epirus, das Schwarzmeergebiet, sowie die in diesem Reisebericht geschilderte Reise von Istanbul mit dem Schiff bis Syrien und von dort mit Kamelkarawanen in den heutigen Irak, von Mossul mit dem Floss den Tigris hinab bis Bagdad, von dort nach Indien (Bombay) und anscheinend auch noch nach Ostafrika und Mauritius. Er starb dann am Ende dieser langwierigen und schwierigen Reise 1863 an der Ruhr (Dysenterie), einer bakteriell ausgelösten Infektion.

Sein Reisebericht, der mit der Ankunft in Bombay im Januar 1863 endet, ist abrufbar unter https://www.e-rara.ch/zuz/content/titleinfo/9280554

Karte Schweizerischer Reisender. Zweites Heft
Karte Schweizerischer Reisender. Zweites Heft
Karte Schweizerischer Reisender. Zweites Heft

Die Lektüre dieses Berichts ist sehr zu empfehlen. Er ist elegant und in einer bereits modern anmutenden Schreibweise verfasst, worin Schläfli tagebuchartig seine Eindrücke über Land, Personen, Zustände, Bräuche in ruhiger und unaufgeregter Weise schildert. Das ist nicht selbstverständlich bei all den Widrigkeiten, denen er trotzen musste, denn nahezu jeder Tag brachte unglaubliche Schwierigkeiten mit sich wie räuberische Überfälle, extreme Klimabedingungen und schlimme hygienische Zustände. In nahezu jedem Abschnitt der langen Reiseroute wurde gekämpft: jeder gegen jeden, Kurden gegen Türken, Türken gegen Armenier, Araber gegen Perser, aber auch kurdische Stämme untereinander bekriegten sich wie die Stämme der Duerin, Beskan, Berasi und Milli (Seite 20). Nicht immer half ihm sein türkischer Diplomatenpass, oft jedoch sein Beruf als Hakim, als Mediziner.

Seine kritische Sichtung der sozialen, religiösen und politischen Umstände und deren Ursachen lassen die Auflösung jeglicher politischer Ordnung erkennen, hauptsächlich verursacht durch den Zerfall des osmanischen Reiches, aber auch durch das unverantwortliche Vorgehen der Kolonialmächte, die nicht nur das Land rohstoffmässig ausplünderten, sondern auch durch Billigimporte von Textilien die wirtschaftliche Lage in Nahost destabilisierten. Die heutigen labilen Zustände in dieser einstigen kulturellen Wiege der Menschheit sind in seinen Schilderungen bereits klar erkennbar und sie lassen Zweifel aufkommen, ob sich die Lage je beruhigen lässt.

Bernhard Braunecker

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1 Heinz Balmer: "Schläfli, Alexander", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.08.2011. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/032096/2011-08-09/

2 Seine Publikationen können unter https://www.e-rara.ch/search/quick?query=ludwig+schl%C3%A4fli gefunden werden.

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[Veröffentlicht: Juli 2025]